Die aus dem Grabe gewachsene Hand

Vor vielen Jahren lebte in Lunow ein Bauer mit Namen Jakob Bertram, gewöhnlich Pfälzer-Jakob genannt, weil seine Vorfahren zur Zeit des Großen Kurfürsten aus der Pfalz eingewandert waren. Seine Wirtschaft gehörte zu den besten im Dorfe, und in seinem Hause, als auch auf dem Felde, war alles wohl bestellt. Die Kinder Bertrams, eine Tochter und ein Sohn, wuchsen zur Freude der Eltern heran und unterstützten diese in der Wirtschaft wacker. Als aber Martin, so hieß der Sohn , zwanzig Jahre alt war, hielt das Unglück  in der Familie seinen Einzug. Eine böse Seuche raffte die Mutter in kurzer Zeit hinweg, und auch Vater Bertram wurde aufs Krankenlager geworfen . Sein starker Körper widerstand zwar der Krankheit, aber seine Kraft war dahin . Seit dieser Zeit schien es als ob der Satan von Martin Besitz ergriffen hätte, der bisher so brave und ordentliche Mensch war wie umgewandelt. Der Dorfkrug war jetzt sein liebster Aufenthaltsort, um die Wirtschaft kümmerte er sich gar nicht mehr. Alle Bitten Ermahnungen und Warnungen seines alten Vaters und seiner Schwester waren erfolglos. Er achtete nicht im geringsten darauf und trieb es nur noch ärger. Eines Tages, als er wieder aus dem Krug heimkehrte und sein Vater ihn darüber Vorwürfe macht, stürzte er sich , ehe seine Schwester es verhindern konnte, mit geballter Faust wütend auf den Vater und schlug auf ihn ein , so dass der Alte betäubt zu Boden sank. " Wehe, wehe Dir, Martin!" rief weinend die Schwester, " hast du denn Gottes viertes Gebot ganz vergessen ! Denkst du nicht mehr an die Geschichte, welche unsere selige Mutter uns oft erzählte, von der aus dem Grabe gewachsenen Hand des Kindes, das sich an seinem Vater vergriffen ?" 
Martin aber verließ tobend und fluchend das Haus, er sollte es nicht mehr betreten . In der Frühe des folgenden Tages brachten Nachbarn den Jüngling tot seinen Angehörigen . Er war auf der Straße gefunden geworden . Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein frühes Ende bereitet. Der hartgeprüfte alte Vater überlebte dieses Unglück nicht lange. Nach einigen Wochen wurde auch er zur ewigen Ruhe gebettet. 
Als nun eines Tages die Tochter auf den Kirchhof kam , um die Gräber ihrer Lieben zu pflegen , gewahrte sie dort etwas Schreckliches. Aus dem Grabe ihres Bruders ragte eine Hand hervor. Entsetzt zitternd und bleich vor Schreck eilte sie in das nahe Pfarrhaus und berichtete das Furchtbare. Nachdem man vergeblich alles versucht hatte, die Hand unter die Erde zu bannen , wurde sie abgenommen und als warnendes Beispiel in der Kirche aufbewahrt.
Diese mumifizierte Hand ist heute noch in der Kirche zu Lunow in einer Nische hinter dem Altar, eigens dafür mit Beleuchtung und
mit dem Text der Sage auf einer Glasscheibe, zur Besichtigung, aufbewahrt.

Mitglieder der Kirchengemeinde und des Heimatvereins   haben die mumifizierte Hand   von Herrn Prof. Kleiber im Institut für Rechtsmedizin, der Martin Luther Universität Halle-Wittenberg bestimmen und restaurieren lassen . 

Unsere Sage ist die alte Geschichte der mumifizierten Hand.
Nach der Bestimmung unserer Hand, können wir berichten:
Es steht außer Frage, dass die alte Legende außerhalb jeder wissenschaftlichen Erkenntnis liegt. Im vorliegenden Falle macht ein weiterer Aspekt die Geschichte noch weniger glaubhaft. Die mumifizierte Hand ist sehr schlank und sieht eher wie eine weibliche Hand aus und nicht wie eine männliche.
Die entnommene DNA war ausreichend um zu bestätigen, dass es sich um eine mumifizierte männliche Hand handelt.
Wir sind daher in der Lage zumindest einen Aspekt dieser alten Sage zu bestätigen.